Interview mit Regina Masaracchia

zuerst erschienen unter http://mamaschreibt.jimdo.com/interviews/

ReginaWie und wann ist Dir die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?

Den Wunsch habe ich, so lange ich denken kann. Wenn man mich als Kind nach meinem Berufswunsch gefragt hat, dann habe ich geantwortet: „Ich möchte mal Astrid Lindgren werden.“ Warum ich dann mit zweiunddreißig Jahren endlich angefangen habe, diese Pläne umzusetzen? Ich glaube, mein Unterbewusstsein ist damals auf Hochtouren gelaufen und hat die Dinge vorangetrieben, weil ich mir meine Lebensziele möglich konkret ausgemalt und aufgeschrieben habe. Seitdem habe ich das ein paar Mal probiert und bin immer wieder fasziniert, wie gut das funktioniert. In meinem dritten Buch „Auf nach Cappuccino“ habe ich das Konzept in vereinfachter Form („Schreiben Sie sich Wunschzettel“) vorgestellt. Seit 2004 haben sich die Dinge kontinuierlich entwickelt. Inzwischen schreibe ich auch für Kinder und bin damit meinem Traumberuf aus Kindertagen noch ein weiteres Stück näher gekommen.

Wie hast Du einen Verlag gefunden?

Ich habe parallel zum Schreiben möglichst viele Fachbücher gelesen, die einem nützliche Hinweise geben. Der Markt bietet ja ein paar sehr hilfreiche Ratgeber zum Thema „Verlage und Veröffentlichen“. Das ist etwas, dass ich jeder schreibenden Mutter dringend empfehlen würde. Noch hilfreicher sind Gespräche mit Autoren, die bereits veröffentlichen. Allerdings kennt man die ja anfangs meist noch nicht. Dass ich damals auch wirklich gleich einen Buchvertrag bekommen habe, lag aber auch an etwas anderem: ich habe Glück gehabt! Ich bin zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Ich bin zufällig am Anfang einer großen Welle von „Mütter-Büchern“ mit dem richtigen Thema gekommen. Fazit: Ohne Professionalität geht es nicht. Und ohne Glück auch nicht. Nur sehr selten reicht eines von beidem.

Wie lange hast Du am Buch geschrieben?

Ich habe schon mehrere Autoren sagen hören, dass sie etwa ein Jahr brauchen, bis ein Buch fertig ist. Meine Erfahrung bestätigt das. Bei meinem ersten Buch „Warum Mama eine rosa Handtasche braucht“ war es allerdings anders. Damals hatte ich ein paar Probekapitel und ein Konzept geschickt, als der Verlag anrief und sagte: „Wie möchten dieses Buch machen. Können Sie in sechs Wochen abgeben?“ Damals habe ich erst einmal geschluckt und dann die Chance ergriffen. Unsere Tagesmutter hat sich bereit erklärt, meine Jüngste spontan mehr zu betreuen und zwei Wochenenden lang habe ich mich zum ungestörten Schreiben zu Freunden verkrochen. Natürlich ist prompt an einem der Wochenenden meine Tochter krank geworden und ich musste mich von meinem Fieberkind verabschieden, obwohl ich viel lieber bei ihr geblieben wäre.

Was ist Dir wichtig im Buch zu vermitteln?

Wenn meine Bücher erreichen, dass Menschen sich beim Lesen entspannen, gute Laune bekommen und ein wenig mehr Nachsicht in Bezug auf sich und andere walten lassen, dann ist das großartig! In erster Linie vermittle ich mir durch das Schreiben allerdings selbst etwas. Ich durchforsche meine aktuelle Lebenssituation. Ich durchdenke die kleinen Momente und Richtungen darin und baue Sätze daraus. Es ist, als ob ich meine Gedanken und Gefühle aufräume und instand setze. Die schönen Erfahrungen und Gefühle rahme ich ein, die Unschönen stutze ich zurecht und weise ihnen einen sinnvollen Platz zu. Ich mache mir klar, was wichtig und was unwichtig ist und lasse andere Menschen davon profitieren.

Was hat Dir persönlich das Schreiben des Buches gebracht?

Es ist wunderschön, in Zuschriften und Emails mitzubekommen, wie viele Frauen es in Deutschland und den Nachbarländern gibt, die genauso denken und fühlen wie ich. Außerdem genieße ich es jeden Tag, meinen Lebenstraum verwirklicht zu haben.

Gibst Du auch Seminare, machst Lesereisen etc.?

Längere Lesereisen, bei denen ich mehrere Wochen am Stück von zu Hause fort bin, mache ich wegen meiner Kinder ganz bewusst noch nicht. Aber natürlich gebe ich Lesungen. Das ist eine richtig schöne Angelegenheit. Die Menschen, die zu meinen Lesungen kommen, sind ausgesprochen nett. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich meine erste Veranstaltung hatte und die Zuhörerinnen eintrudelten. Lachend, eingehakt, bester Laune und offensichtlich voller Vorfreude. In dem Moment verflog mein Lampenfieber. Und ist bisher noch nicht wiedergekommen.

Wie hast Du das Schreiben, das Mutter-und Hausfrau sein unter einen Hut bekommen?

Wer sagt, dass ich Hausfrau bin? Und wer sagt, dass ich das alles unter einen Hut bekomme? 😉 Nein, mal im Ernst. Ich kenne keine Frau, die das perfekt hinbekommt. Leider ist die Situation so angelegt, dass wir uns ständig überfordern. Es ist und bleibt ein Kompromiss. Irgendwas oder irgendwer kommt immer gerade zu kurz.

Mein persönlicher Erste-Hilfe-Tipp für lebensfrohe Mütter: Dafür sorgen, dass es immer mal jemand oder etwas anderes ist, das zu kurz kommt: Mal der Haushalt, mal die Kinder, mal die Partnerschaft, der Beruf oder die Freunde. Was unterm Strich dabei rumkommt, ist dann wahrscheinlich gar nicht so übel.