Kolumnen und andere Weisheiten

In der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bin ich gelegentlich unter dem Kürzel (ser) in der “Lüttjen Lage” zu finden.

Meine Kolumnen erschienen außerdem von 2004 bis 2014 alle zwei Wochen in der Oldenburgischen Volkszeitung und in der Münsterländischen Tageszeitung. Doch im Januar 2014, nach sage und schreibe zehn Jahren „Pampers statt Palmen“ tat ich das, was eine Frau tun muss:

Die letzte Kolumne

Wissen Sie noch, was Sie am zehnten Geburtstag ihres Kindes gemacht haben? Pommes mit Ketchup und Kegeln vielleicht? Meine Kolumne wird heute zehn Jahre alt, und ich mach Schluss. Nach 263 Folgen über Kindergartenfeste und Einschlafrituale ist dies der letzte Text über Frieda und Josefine. „Du machst Schluss? Aber warum?“, fragt die Kolumne erschrocken. „Und das ausgerechnet an meinem Geburtstag!“ Ich kann das erklären:

Ein altes Sprichwort sagt: „Man soll immer dann aufhören, wenn man am Schönsten ist.“ Ich bin gerade am Spiegel vorbeigekommen, habe mein glänzendes Haar, meine langen Wimpern und meinen makelloses Profil betrachtet und festgestellt: Es ist soweit.

Außerdem belegen Studien, dass ein Jahr für einen Menschen etwa sieben Jahre für eine Kolumne sind. Meine Beiträge auf der Familienseite zählen also stolze 70 Lenze. Jemandem in diesem Alter wird selbst Frank-Walter Steinmeier den wohlverdienten Ruhestand zugestehen.

Die wichtigsten Gründe fürs Aufhören jedoch sind zehn und dreizehn Jahre alt. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Es ist nicht so, dass mir die Themen ausgehen. Ganz im Gegenteil. Das Leben mit meinen Töchtern wird von Jahr zu Jahr immer bunter und erlebnisreicher. Friedas Girls-Day bei der Müllabfuhr und Josefines blöder Französischlehrer sind prima Themen für eine unterhaltsame Kolumne. Allein die philosophischen Gespräche, die die beiden beim Zähneputzen führen, sind Familiensatire vom Feinsten. Man könnte sie 1:1 aufschreiben und veröffentlichen.

Will ich aber nicht. Noch ist das Verhältnis zu meinen Töchtern nämlich erfreulich gut. Und das soll in den folgen Jahren der voranschreitenden Pubertät auch so bleiben.

„Aber hältst du das denn aus? So ganz ohne OV?“, fragt Jens sorgenvoll. Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Es ist nicht immer ganz leicht, wenn die eigenen Kolumnen flügge werden und das Nest verlassen. Die Tatsache „Dann hast du endlich wieder mehr Zeit für andere Sachen“ ist da nur ein schwacher Trost.

Ganz ohne Trauerphase geht es also nicht ab. Zum Glück werde ich genügend Ablenkung haben. Die demografische Entwicklung mahnt, mich hinzusetzen und schon einmal die zukünftige Kolumne „Lachfalten statt Origami“ für die Seniorenseite zu planen. Ab 2038 schreibe ich dann alle 14 Tage über mein neues Hörgerät mit GPS oder über Jens Erfolg bei „Deutschland sucht den Superopa“.

Wir treffen uns also wieder. Spätestens 2038.

Ihre Stephanie Schneider